Geschichte der Salsa
Salsa ist kein einzelner Stil, der an einem Tag erfunden wurde. Der Name steht für eine Musik, die in den 1960er- und 1970er-Jahren in New York aus kubanischen Formen gewachsen ist und sich dann in ganz Lateinamerika und weltweit verbreitet hat.

Die kubanischen Wurzeln
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Kuba musikalisch eines der einflussreichsten Länder der Welt. Neben dem Son entstanden dort der Danzón, der Bolero, die Guaracha, der Mambo und Anfang der 1950er-Jahre der Cha-cha-chá. Kubanische Orchester tourten durch Amerika und Europa, und Havanna mit seinen Clubs und Casinos zog Musiker und Touristen an.
Das Wort Salsa tauchte schon früh in Liedtexten auf. Ein bekanntes Beispiel ist „Échale salsita“ von Ignacio Piñeiro aus den frühen 1930er-Jahren, wörtlich „Gib ein bisschen Soße dazu“. Gemeint war Würze und Schwung, noch kein Musikstil.
New York: Mambo, Palladium, Boogaloo
In New York lebten seit den 1920er-Jahren viele Menschen aus Puerto Rico und Kuba. 1940 gründete der Sänger Machito mit dem Trompeter Mario Bauzá die Band Machito and his Afro-Cubans, die kubanische Rhythmen mit dem Klang amerikanischer Big Bands verband. In den 1950er-Jahren erlebte die Stadt einen regelrechten Mambo-Rausch. Im Palladium Ballroom am Broadway spielten Tito Puente, Tito Rodríguez und Machito, und dort tanzten Menschen aller Herkunft.
Nach der kubanischen Revolution 1959 und dem Embargo brach der direkte Austausch mit der Insel weitgehend ab. Die Musiker in New York mussten ihren eigenen Weg finden. In den 1960er-Jahren folgten kurze Moden wie Pachanga und Boogaloo, eine Mischung aus Latin-Rhythmen und Soul, gesungen oft auf Englisch.
Fania und der Name Salsa
1964 gründeten der dominikanische Bandleader Johnny Pacheco und der Anwalt Jerry Masucci in New York das Label Fania Records. Fania nahm junge Musiker aus den Latino-Vierteln unter Vertrag, darunter Willie Colón, Héctor Lavoe, Ray Barretto und Larry Harlow, später auch Celia Cruz und Rubén Blades. Musikalisch griffen sie auf Son montuno, Guaracha und Mambo zurück, spielten aber härter, mit Posaunen und mit Texten über das Leben in der Stadt.
Als Sammelbegriff setzte sich in dieser Zeit „Salsa“ durch. Ein Meilenstein war 1971 das Konzert der Fania All-Stars im Club Cheetah in Manhattan, aus dem der Film Our Latin Thing (1972) entstand. Der Name war auch Marketing: Er ließ sich gut verkaufen und umfasste viele Stile auf einmal. Manche kubanische Musiker sahen darin eine Umbenennung ihrer eigenen Musik, und darüber wird bis heute gestritten.
Zeitleiste in Stichworten
- um 1909
- Der Son erreicht Havanna
- 1940
- Machito and his Afro-Cubans in New York
- 1950er
- Mambo-Welle, Palladium Ballroom
- 1964
- Gründung von Fania Records
- 1971
- Fania All-Stars im Cheetah
- 1978
- Album Siembra von Willie Colón und Rubén Blades
- 1990er
- Timba in Kuba, Salsa-Boom in Europa
Salsa consciente und Salsa romántica
Ende der 1970er-Jahre wurde die Salsa politischer. Das Album Siembra von Willie Colón und dem Panamaer Rubén Blades aus dem Jahr 1978 erzählte Geschichten aus den Barrios, etwa im Lied „Pedro Navaja“, und gilt als eines der meistverkauften Salsa-Alben überhaupt. In den 1980er-Jahren ging der Trend in die andere Richtung: Die Salsa romántica setzte auf Liebeslieder, weichere Arrangements und Sänger wie Eddie Santiago oder Frankie Ruiz. Sie war im Radio erfolgreich, Kritiker fanden sie zu glatt.
Kolumbien, Puerto Rico, Venezuela
Die Salsa verbreitete sich schnell im ganzen karibischen Raum. Puerto Rico war von Anfang an eng mit der New Yorker Szene verbunden, die Band El Gran Combo de Puerto Rico spielt seit 1962. In Kolumbien wurde Cali zur selbsternannten Hauptstadt der Salsa, mit einem eigenen, sehr schnellen Tanzstil und Bands wie dem Grupo Niche. Auch Venezuela hatte mit Oscar D'León einen großen Star.
Kuba: Songo und Timba
Auf Kuba selbst wurde der Begriff Salsa lange gemieden. Die Musik entwickelte sich dort eigenständig weiter. Juan Formell gründete 1969 die Band Los Van Van und entwickelte mit ihr den Songo. Ende der 1980er-Jahre entstand aus Son, Funk und Jazz die Timba, deren bekannteste Band NG La Banda von José Luis Cortés war. Timba ist komplexer, oft schneller und hat ausgedehnte Montuno-Teile mit eigenen Tanzbewegungen. Viele Partys mit kubanischem Schwerpunkt spielen heute eine Mischung aus Son, Salsa und Timba.
Salsa in Deutschland
Nach Deutschland kam die Salsa als Tanz vor allem in den 1990er-Jahren. Getragen wurde die Welle von Tanzschulen, Clubs und kubanischen Lehrern, die nach der Wende und mit dem neuen Interesse an kubanischer Musik ins Land kamen. Heute gibt es in fast jeder größeren Stadt regelmäßige Salsa-Partys und Kurse in beiden großen Richtungen, dem kreisenden kubanischen Stil und dem linearen Stil aus Los Angeles und New York.

