Salsa & SonKubanische Musik und Tanz

Salsa cubana (Casino)

Aktualisiert am 1. Oktober 20263 Min. Lesezeit

Der kubanische Paartanz zur Salsa heißt auf Kuba schlicht Casino. Er ist kreisend, verspielt und eng mit der Musik verbunden. In Deutschland wird er meist unter dem Namen Salsa cubana unterrichtet.

Linie (LA / New York) Paar bleibt auf einer Bahn Kreis (Casino) Paar dreht umeinander ● führt ● folgt

Woher der Name kommt

Der Name hat nichts mit Glücksspiel zu tun. In den 1950er-Jahren gab es in Havanna sogenannte Casinos deportivos, Sport- und Gesellschaftsclubs mit Tanzsälen. Dort entwickelte sich aus dem Son-Tanz, dem Cha-cha-chá und Elementen des Mambo ein Paartanz mit eigenen Figuren, der nach diesen Clubs benannt wurde. Später kamen Einflüsse aus der Rumba und sogar aus amerikanischen Tänzen wie dem Jive hinzu. Der Begriff „Salsa cubana“ verbreitete sich erst ab den 1970er-Jahren, um den kubanischen Stil von anderen zu unterscheiden.

Kreis statt Linie

Der auffälligste Unterschied zum linearen Stil zeigt sich in der Grafik oben. Im LA- oder New-York-Stil bewegt sich das Paar auf einer gedachten Bahn, die folgende Person läuft daran entlang hin und her. Im Casino dreht sich das Paar umeinander, Positionen wechseln ständig, und der Tanz wirkt dadurch runder und weniger frontal. Kubanische Lehrer sprechen manchmal von drei Punkten, zwischen denen sich das Paar bewegt.

Auch das Verhältnis zur Musik ist anders. Casino ist stärker vom Rhythmus der Percussion geprägt, besonders von der Conga. Viele Tänzer bauen Körperbewegungen aus der Rumba und afrokubanischen Tänzen ein, etwa in den Schultern oder im Oberkörper. Der Tanz soll locker und erdverbunden aussehen, nicht wie eine Choreografie.

Haltungen

Die wichtigsten Haltungen

Geschlossen
enge Tanzhaltung, eine Hand am Rücken, die andere hält die Hand des Partners
Offen
Paar steht sich gegenüber und hält sich an einer oder beiden Händen
Guapea
Grundschritt in offener Haltung, Gewicht pendelt nach vorn und zurück
Cuddle / Abrazo
die folgende Person steht seitlich im Arm der führenden

Typische Figuren

Casino-Figuren haben spanische Namen, die gleichzeitig als Ansagen in der Rueda dienen. Einige Beispiele, sortiert grob nach Schwierigkeit:

Die Namen sind nicht genormt. Was in einer Stadt „Setenta“ heißt, kann anderswo etwas anders getanzt werden. Das ist normal und gehört zu einem Tanz, der auf Partys und nicht in Verbänden entstanden ist.

Freie Passagen und Styling

Ein Kennzeichen des Casino sind kurze Momente, in denen sich das Paar loslässt. Bei einem Break der Band oder in einem langen Montuno tanzen beide eine Weile für sich, mit Schritten aus dem Son, Bewegungen aus der Rumba oder kleinen Zitaten aus afrokubanischen Tänzen. Danach findet das Paar wieder zusammen. Diese Freiheit gehört zum Stil und unterscheidet ihn von einer festgelegten Schrittfolge.

Auch das sogenannte Styling, also Arm- und Körperbewegungen innerhalb der Figuren, ist im Casino eher zurückhaltend und rhythmisch. Es soll zur Musik passen und nicht vom Partner ablenken. Viele Tanzschulen bieten dafür eigene Kurse an, oft getrennt nach Rollen.

Wann wird auf welcher Zählzeit getanzt?

Traditionell tanzte man Casino oft contratiempo, also mit der Pause auf 1 und 5 und der Betonung auf 4 und 8, wo die Conga ihre offenen Schläge hat. Heute tanzen die meisten a tiempo, mit Schritten auf 1 und 5, so wie es im Grundkurs gelehrt wird. Beides ist richtig. Wichtig ist, dass das Paar gemeinsam im Takt bleibt.

Musik für Casino

Auf kubanisch geprägten Partys läuft eine Mischung aus Son, klassischer Salsa und Timba. Timba-Stücke haben oft lange Montuno-Abschnitte und Breaks, bei denen Tänzer kurz loslassen und frei tanzen, etwa mit Bewegungen aus der Rumba oder dem Reggaeton. Wer sich für die musikalischen Hintergründe interessiert, findet sie im Beitrag über den Son und in der Geschichte der Salsa.