Rueda de Casino
In der Rueda tanzen mehrere Paare gleichzeitig im Kreis. Eine Person ruft die Figuren an, alle führen sie im selben Moment aus und wechseln dabei immer wieder die Partner. Wenn es klappt, sieht das aus wie eine einstudierte Choreografie, ist aber jedes Mal neu.
Herkunft
Die Rueda (spanisch für Rad) entstand Ende der 1950er-Jahre in Havanna, in denselben Tanzclubs, aus denen auch der Casino-Stil stammt. Junge Leute begannen, Figuren gemeinsam im Kreis zu tanzen und dabei die Partner zu tauschen. Daraus wurde ein fester Brauch mit eigenen Ansagen, der sich mit dem Casino über die ganze Insel und später weltweit verbreitet hat. In Deutschland gehört die Rueda in vielen Tanzschulen mit kubanischem Schwerpunkt zum festen Programm.
Aufstellung und Ablauf
Die Paare stehen in einem Kreis, meist die Führenden innen und die Folgenden außen. Alle tanzen den Grundschritt, oft die Guapea in offener Haltung. Eine Person übernimmt die Ansagen. Sie heißt je nach Region Cantante, Líder oder einfach Caller. Sie ruft die nächste Figur rechtzeitig, meist einige Zählzeiten vorher, damit alle mitkommen.
Bei vielen Figuren wechselt man zum nächsten Partner im Kreis. Am Ende eines Abends hat so jeder mit jedem getanzt. Die Grafik oben zeigt das Prinzip: Bei der Ansage „Dame“ (gib mir) bekommt jede führende Person die nächste Partnerin oder den nächsten Partner im Kreis.
Häufige Ansagen
Ansagen, die du fast überall hörst
- Guapea
- Grundschritt in offener Haltung, Ausgangsposition
- Dile que no
- von geschlossen nach offen
- Dame
- Partnerwechsel zur nächsten Person
- Dame dos
- zwei Plätze weiter
- Enchufla
- Platzwechsel mit Drehung unter dem Arm
- Al medio
- alle gehen zur Mitte und zurück
- Sombrero
- Figur mit über den Kopf geführten Armen
- Exhibela
- Paar wechselt mit halber Drehung die Plätze
Zu den Wörtern kommen häufig Handzeichen, weil es auf Partys laut ist. Für „Dame“ zeigt der Caller zum Beispiel mit dem Finger auf sich, für „Sombrero“ macht er eine Bewegung über dem Kopf. Viele Gruppen haben eigene Figuren und Namen, manche lustig, manche nach Orten oder Personen benannt. Wer in einer neuen Stadt mittanzt, sollte deshalb vorher fragen, welche Ansagen dort üblich sind.
Was die Rueda verlangt
Rueda ist eine gute Übung, weil sie Dinge erzwingt, die man beim Paartanz gern vernachlässigt. Du musst zuhören und reagieren, deinen Grundschritt stabil halten und Figuren sauber im Takt beenden, weil sonst der ganze Kreis aus dem Tritt kommt. Für Führende kommt dazu, dass sie in kurzer Zeit wechselnde Partner führen. Für Folgende ist es eine Schule darin, sich auf viele verschiedene Arten von Führung einzustellen.
Wenn du in der Rueda den Faden verlierst: einfach im Grundschritt bleiben und auf die nächste Ansage warten. Alle anderen tun im Zweifel dasselbe.
Tipps für den Einstieg
- Lerne zuerst die Grundfiguren im Paar. Ohne Dile que no und Enchufla geht in der Rueda wenig.
- Zähl am Anfang laut mit, am besten zusammen mit dem Kreis.
- Halte den Kreis rund und gleichmäßig. Zu große Abstände machen die Partnerwechsel schwer.
- Höre auf die Clave und die Breaks der Musik. Gute Caller legen ihre Ansagen so, dass Figuren mit der Musik enden.
Eigene Rueda-Gruppen
Manche Tanzschulen und Vereine haben feste Rueda-Gruppen, die regelmäßig üben und bei Festen oder Festivals auftreten. Dort werden auch längere, einstudierte Folgen getanzt, bei denen der Kreis Muster bildet oder sich in zwei Kreise teilt. Für Einsteiger ist das nicht nötig, aber es zeigt, wie weit sich der Tanz treiben lässt. Wer Freude daran hat, findet in solchen Gruppen oft schnell Anschluss.
Rueda auf Partys
Auf vielen Salsa-Partys mit kubanischem Schwerpunkt bildet sich irgendwann spontan ein Kreis, oft bei einem bekannten Stück. Wer mitmachen will, stellt sich einfach als Paar dazu. Es ist üblich, dass Einsteiger dabei sind. Wer noch unsicher ist, schaut erst ein, zwei Runden zu und hört, welche Ansagen gerufen werden.

